Erkrankungsbilder - Neurostress

1. Einführung

Die neuroendokrine Stressachse dient zur Bewältigung der körperlichen, psychischen und emotionalen Belastungen. Vorübergehender Stress kann ohne Schädigungsfolgen bewältigt werden, nicht dagegen anhaltender Stress.

2. Folgen des chronischen Neurostress

Zu den Folgen dieser chronischen, nervlichen Stressbelastung zählen viele Symptome 
wie : Schlafstörungen, Ängste, Depressionen, auch stark schwankende Stimmung, burn-out, Motivationsverlust, Müdigkeit/erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Fibromyalgie, Appetitstörungen, Migräne, Reizdarm etc.

3. Stressantwort und Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch Bestimmung der wichtigsten Stresshormone (Master-Stresshormone) aus dem Speichel und/oder Blut. Bestimmt werden müssen vor allem Cortisol, DHEA-S und Adrenalin, ferner Noradrenalin, Dopamin und Serotonin. Damit ist schon eine gute Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Stressbelastung, burn-out und reinem Serotoninmangelsyndrom möglich.

Bei speziellen Fragestellungen gibt es eine noch genauere Analyse mit zusätzlicher Bestimmung der Überträgerstoffe GABA/Glutamat, Glycin, Histamin und Phenylalanin.

4. Therapie

In der Neurostress-Sprechstunde werden in einer Untersuchung zunächst die Symptome erfasst. Danach wird der Umfang der Labordiagnostik festgelegt. Nach Erhalt der Labor-Ergebnisse wird eine medikamentöse Therapie festgelegt, die nach 6-8 Wochen kontrolliert werden sollte, meist auch mit wenigen Laborkontrollen.

Üblicherweise werden dafür Antidepressiva eingesetzt, meist solche, die die Serotonin-Wiederaufnahme hemmen und so den Serotonin-Spiegel erhöhen. Allerdings sind diese nicht selten mäßig bis überhaupt nicht wirksam oder mit  Nebenwirkungen belastet, sodass Alternativen gefragt sind.

Ein natürlicher, äußerst nebenwirkungsarmer und immer wieder recht erfolgreicher Weg zur Therapie des Neurostress ist der Ausgleich der Störung der Botenstoffe durch Verabreichung von Botenstoffen oder deren Vorstufen, z.B. 5-HTP (Vorläufer Serotonin), Tyrosin (Vorläufer Adrenalin) oder Glutamin (Vorläufer GABA, Glutamat). Ergänzt werden diese ggf. durch Modulatoren wie Taurin, Theanin etc. oder auch Stoffe wie Vitamin C und B6, Folsäure etc., weil diese  Herstellung der Botenstoffe beschleunigen.

Dadurch kommt eine „natürliche“ Regulierung und Erholung der Neurostressachse zustande. Eine Ergänzung von Cortisol ist dabei trotz Cortisolmangel meist nicht zu empfehlen, da hierdurch durch negative Rückkopplung die körpereigene Cortisol-Produktion gebremst wird und sogar noch eine Verschlechterung möglich ist. Eine Verbesserung des 24-Stunden Hormonrhythmus kann ggf. sehr effektiv durch abendliche Melatoningabe am Abend gefördert werden.


Bei Interesse an der Therapie in der Neurostress-Privatsprechstunde kontaktieren Sie am besten die Praxis für weitere Informationen und vereinbaren einen Untersuchungstermin. Für gesetzlich Krankenversicherte stellt diese Betreuung eine sogenannte Igel_Leistung dar.

Behandlungskonzept

1. Durchführung der Labordiagnostik - Planung der Behandlung

 

2. Therapie-Einleitung

Unter Berücksichtigung der Labor-Untersuchung Gabe von Aminosäure-Vorstufen 
hemmender Überträgerstoffe (Transmitter) wie 5-HTP (für Serotonin), Glutamin
(für GABA) und auch Taurin, Glycin, Theanin. Erst später erfolgt eine zusätzliche
Behandlung mit exzitatorischen Neurotransmitter-Vorstufen.

3. Kontrolle

Nach 2 Monaten erste Kontrolle mit Laborwerten um die Therapie weiter
anzupassen. Evtl. ist eine Veränderung der Präparate und der Dosis nötig.

4. Langzeittherapie

Nach bis zu 6 Monaten kann die Therapie entweder beendet oder auf ein Minimum
reduziert werden. Bei z.B. chronischer Stressbelastung muss sie weitergeführt
werden.
Meist normalisieren sich zuerst die Serotonin-Speicher, dann Noradrenalin, später
Adrenalin. Erst danach löst sich die Blockade der Stresshormon-Achse und die
Selbstregulierung setzt wieder ein.